Paradies Film Festival Facebook Event 2019

Schwerpunkte & Gäste


DEFA: 4. Generation
Filme aus der Wendezeit


Gäste: Helke Misselwitz,
Evelyn Schmidt, Herwig Kipping,
Jörg Foth, Ralf Schenk

Sechs Filme aus der Wendezeit, die entstanden, als die DDR unterging. Unerwartet hatten die DEFA-Regisseure der 4. Generation, die bis dahin ihren Beruf nur eingeschränkt ausüben konnten, die Möglichkeit, sich frei zu äußern.

Genrekino aus Italien:
Antonio Bido & Francesco Barilli


Gäste: Francesco Barilli,
Antonio Bido

Der italienische Genrefilm der 60er bis 80er erfährt in der Popkultur und wissenschaftlichen Diskursen eine Renaissance. Technisch aufwendig inszeniert, inhaltlich provokativ und filmisch elegant wirkt er auf Filmschaffende unserer Tage.

DEFA: Werkschau
Iris Gusner


Gäste: Iris Gusner, Ralf Schenk

Iris Gusner zählt zu den wenigen Frauen, die bei der DEFA als Regisseurinnen tätig waren. Ihre Filme erschlossen oft neue ästhetische Dimensionen und stellten eine Bereicherung für die DEFA-Filmsprache dar.

DEFA:
Kinder- und Jugendfilm


Gäste: Christa Kozik, Tobias Unterberg, Jaecki Schwarz, Ralf Schenk, Klaus-Dieter Felsmann

Tiefe Charaktere, sinnreiche Dialoge, liebevolle Ausstattung und witzig-leichte Inszenierungen zeichnen die vier Kinder- und Jugendfilme im Programm aus.

Kino aus der Türkei:
Yilmaz Güney


Gäste: Nazli Kilerci-Stevanovic, Cem Kaya, Marcus Cislak

Wir zeigen vier der wichtigsten Filme des Kurden Yilmaz Güney (1937-1984), der in 25 Filmen Regie führte und aufgrund seiner Opposition zum türkischen Staat mehrmals verhaftet wurde. "Seine Filme sind die Essenz des Lebens", wie es Michael Haneke formulierte.

Tickets, Preise & VVK


Eine Dauerkarte kostet 49€ und ist hier erhältlich:

Bestellung per e-Mail durch Klick auf den nachfolgenden Button oder postalisch mit einem formlosen Schreiben an FILM e.V. Jena, Helmboldstraße 1, 07749 Jena. Die Zahlung erfolgt auf Rechnung. Bitte geben Sie in Ihrer Bestellung unbedingt eine Rechnungsadresse an!

Die Anzahl der Dauerkarten ist begrenzt. Bestellungen werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Der Vorverkauf endet, wenn alle Karten verkauft sind.

Mit der Dauerkarte haben Sie garantierten Eintritt bis 10 Minuten vor Beginn einer Vorstellung, dann werden unbesetzte Plätze verkauft. Solange Plätze frei sind, ist der Eintritt aber jederzeit möglich.

Die Dauerkarte ist gültig für alle Vorstellungen und Filmgespräche des Festivalprogramms. In der Dauerkarte ist das Kinofrühstück am Sonntag, den 16.06.19 um 10 Uhr nicht enthalten. Bitte geben Sie in Ihrer Bestellung an, ob Sie zugleich auch das Kinofrühstück für 22€ buchen möchten.

Einzeltickets an der Kinokasse: 7€.
Kinderfilme für Besucher U21: 5€. (Preis gilt auch für Schulklassen)

VVK Einzeltickets für Schillerhof & Markt: Ab voraussichtlich 22. Mai. Freie Platzwahl in allen Vorstellungen. Ausgewiesene Platznummern gelten nicht. VVK an allen Kassen im Kino im Schillerhof und Kino am Markt und online über schillerhof.org bzw. kinoammarkt.de.

VVK Einzeltickets für TRAFO: Ab Ende dieser Woche allein für die Eröffnungsveranstaltung mit Jaecki Schwarz und ICH WAR NEUNZEHN. VVK-Stelle: Kasse vor dem Blauen Saal im Kino im Schillerhof, zu den regulären Öffnungszeiten des Kinos.

Programm


 

Eröffnung mit Jaecki Schwarz

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Eröffnung des Festivals mit dem Schauspieler Jaecki Schwarz

Ticket für ICH WAR NEUNZEHN gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Ich war neunzehn

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35mm. Eröffnungsfilm. Gast: Jaecki Schwarz.

Die bewegende Geschichte des jungen Soldaten Gregor Hecker, der als Kind in die Sowjetunion kam und nun, im April 1945, als Leutnant der Roten Armee nach Deutschland zurückkehrt, gehört definitiv zu den ganz großen DEFA-Filmen.

Basierend auf Konrad Wolfs Tagebuchaufzeichnungen, ist das preisgekrönte Werk eine fesselnde, tief persönliche Chronik der letzten Kriegstage. Zusammen mit Kult-Autor Wolfgang Kohlhaase erweckt Wolf seine Kriegserinnerungen zum Leben, reiht Erschütterndes an Skurriles, macht plastisch nacherlebbar, wie sie gewesen sein müssen, die Wirren dieser Tage. Jaecki Schwarz ist die perfekte Besetzung für den jungen Leutnant, dem das Land seiner Geburt seltsam fremd geworden ist, und der von den Wogen der Geschichte förmlich überrollt wird.

Es ist uns eine Ehre, diesen visuell atemberaubenden, glänzend besetzten Klassiker mit unserem besonderen Gast – Hauptdarsteller Jaecki Schwarz – gemeinsam anschauen zu können. Nur echt von 35mm und dort, wo Filme hingehören: im Kino!

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1967, 115 Minuten
Regie: Konrad Wolf; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Jaecki Schwarz

Ticket für ICH WAR NEUNZEHN gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Die Legende vom hässlichen König

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Dokumentarfilm. OV deutsch. Digital HD. Einführung in das Kino aus der Türkei: Nazli Kilerci-Stevanovic (Filmwissenschaftlerin / FU Berlin, Affective Societies)
„Die Legende vom hässlichen König“ ist ein deutsch-österreichischer Dokumentarfilm, der das bewegte Leben des kurdisch-türkischen Schauspielers, Regisseurs und Autors Yilmaz Güney zeigt. In der Doku begibt sich Regisseur Hüseyin Tabak auf eine Recherchereise, die ihn an die Orte und zu den Personen führt, die das Leben des 1984 verstorbenen Yilmaz Güney geprägt haben. Ausgehend vom künstlerischen Höhepunkt in Güneys Leben – dem Gewinn der Goldenen Palme 1982 für den Film YOL – wird sein bewegtes Leben zwischen Starrummel, Gefängnisaufenthalten, revolutionären Bestrebungen und dem Ringen um ein funktionierendes Familienleben beleuchtet. 

Die kurdische Herkunft Güneys, seine sozialistische Gesinnung und die daraus resultierende politische Opposition gegenüber dem türkischen Staat, nimmt einen gewichtigen Teil der Doku ein. Der Regisseur erörtert mittels Archivbildern, Filmausschnitten und Interviewsequenzen die Frage: Wer war Yilmaz Güney? Wer war dieser berüchtigte „Hässliche König“?

(mitosfilm)

D, 2017, 122 Minuten
Regie: Hüseyin Tabak;
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Nazli Kilerci-Stevanovic

Ticket für DIE LEGENDE VOM HÄSSLICHEN KÖNIG gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Konzert für Bratpfanne und Orchester

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35mm. Kinder- und Jugendfilm. Im Anschluss Gespräch mit Hauptdarsteller Tobias Unterberg und Jaecki Schwarz.
Vorführung für Schulklassen geeignet.
Aktueller könnte die Thematik dieses fantasievollen und heiteren Kinderfilms nicht sein: Was macht man aus alten Dingen, die niemand mehr braucht, z.B. Bratpfannen? Na klar! Upcycling zu Instrumenten für ein experimentelles Kinderorchester, wo sogar mit dem Bettgestell der Anna Amalia Töne hervorgezaubert werden können. Bum und seine Freunde erhalten dabei Unterstützung von Berufsmusiker Herr Kling (Jaecki Schwarz) und einer tanzenden Teekanne. Doch die hilft nur, wenn die Kinder sich nicht streiten!

Hauptdarsteller Tobias Unterberg verriet, dass insgesamt 2000 Kinder für die Rolle des Bum gecastet wurden, er war damals gerade mal 7 Jahre alt und spielte bereits Violoncello. Später wurde er selbst Berufsmusiker. Der Film schafft es, Fantasie und Alltag einer Kinderbande in einer Plattenbausiedlung wunderbar ineinander fließen zu lassen. Er ist ein Plädoyer für die feinfühlige Führung junger Darsteller im DEFA-Film sowie für die Trickkiste der DEFA-Animation.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1976, 76 Minuten
Regie: Hannelore Unterberg; FSK 0
7€, 5€ U21, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Filmgespräch mit Tobias Unterberg und Jaecki Schwarz

Ticket für KONZERT FÜR BRATPFANNE UND ORCHESTER gilt. Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Sieben Sommersprossen

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35mm. Kinder- und Jugendfilm. Im Anschluss Gespräch mit Drehbuchautorin Christa Kozik und Dr. h.c. Ralf Schenk von der DEFA-Stiftung. Vorführung für Schulklassen geeignet.
Die Teenager Karoline und Robbi verlieben sich ineinander, während sie den Sommer in einem Ferienlager verbringen. Dort schlüpfen sie für ein Theaterstück auch noch in die Rollen von Romeo und Julia. Die junge Liebe muss sich mehrfach bewähren, da das Umfeld der beiden nicht unbedingt positiv reagiert. An einem Badesee finden sie einen ungestörten Ort. Dieses Setting schafft romantische, lustige, reflektierende und auch aufklärerische Momente.

SIEBEN SOMMERSPROSSEN ist ein Film, der die Probleme Jugendlicher einfühlsam und glaubhaft darstellt, mit hinreißenden Dialogen punktet und seine Geschichte mit ansteckendem Spaß in einer atmosphärischen Natürlichkeit behandelt. Drehbuchautorin Christa Kozik hat vor allem die Reinheit der ersten Liebe interessiert. Durchaus kontrovers, aber sehr erfolgreich aufgenommen, hat der Film auch nach 40 Jahren nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Bleibt die spannende Frage: Wie empfinden wir die Freizügigkeit von SIEBEN SOMMERSPROSSEN heute?

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1978, 79 Minuten
Regie: Herrmann Zschoche; FSK 12
7€, 5€ U21, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Christa Kozik und Ralf Schenk

Ticket für SIEBEN SOMMERSPROSSEN gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Wäre die Erde nicht rund

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35mm. Werkschau Iris Gusner.

Während des Geologiestudiums in Moskau lernt Christiane aus der DDR den Syrer Hatem kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und erwarten bald darauf ein Kind. Während Hatem nach Syrien zurückkehren und seinem Land helfen will, entfremdet sich Christiane zunehmend von seinen Idealen und Wertvorstellungen. Erinnerungen flackern auf: an die Kindheit auf dem Bauernhof, an den Großvater, der besessen an einem Perpetuum mobile tüftelt …

Mit ihrem fünften Spielfilm gelingt Iris Gusner eine kluge, poetische Reflexion über die Selbstbestimmung der Frau und das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen. Eine intime Charakterstudie, in der Gegenwart und Vergangenheit kunstvoll miteinander verflochten, Zeit und Raum mit spielerischer Leichtigkeit überbrückt werden.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1981, 87 Minuten
Regie: Iris Gusner;
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Der Hut

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Marie-Luise, alleinerziehende Mutter, arbeitet als Putzfrau in einem noblen Modesalon. Um ihrem grauen Alltagsdasein zu entfliehen, kauft sie sich einen teuren Hut und bricht mit ihren Kindern in den lang ersehnten Urlaub im FDGB-Ferienheim auf. Dort wird sie von Fahrstuhlführer Hans aufgrund ihres extravaganten Modestücks in aller Öffentlichkeit lächerlich gemacht. Marie-Luise reicht eine Beschwerde ein, doch dem arroganten Hans fiele nicht im Traum ein, sich zu entschuldigen. Ein Kräftemessen beginnt, bei dem es ums Prinzip geht – oder um mehr?

Psychoduell, Romanze, Gesellschaftskritik – selten harmonieren diese drei Zutaten so perfekt wie in Evelyn Schmidts bissig-provokanter Liebeskomödie. Der letzten DDR-Bürgerin gewidmet (!), ist DER HUT ein Denkmal für die sozialen Außenseiter, ein frecher, urkomischer Geschlechterkampf, der auch nachdenklich stimmt und zeigt, wie wichtig der Kampf um Anerkennung und die Verteidigung des neu erwachten Selbstwertgefühls ist.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

D, 1990, 93 Minuten
Regie: Evelyn Schmidt; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Seyyit Han: Topragin Gelini

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DCP, Originalversion mit englischen Untertiteln. Türkei Yilmaz Güney. Filmeinführung von Marcus Cislak und Tino Schmidt.
Der Film erzählt die Geschichte von Seyyit Han, der in sein Dorf zurückkehrt, um das Mädchen zu heiraten, das er liebt. Seyyit, der nach der Vernichtung seiner Feinde inhaftiert war, kehrte drei Jahre später in sein Dorf zurück. Als er ankommt, erfährt er, dass Keje, die er heiraten will, an den reichen Landbesitzer Haydar Bey übergeben wird. Kejes älterer Bruder, Mürsidinle, versucht Heydar zu überreden, seine Pläne aufzugeben. Haydar sieht, dass Keje in der Hochzeitsnacht weint, und erkennt, dass sie unglücklich ist. Er vereinbart einen Deal mit Seyyit Han. Doch auf Seyyit wartet eine böse Überraschung.

SEYYIT HAN ist Yilmaz Güneys erste Regiearbeit. Er wurde zur Berlinale eingeladen, aber seine Teilnahme vom türkischen Staat verhindert. Der Film markiert den Anfang seiner langanhaltenden Liebe zum Film und der damit verbundenen Regiearbeit.

(Quellen: sinematurk.com, imdb)

TR, 1968, 81 Minuten
Regie: Yilmaz Güney;
7€, Dauerkarten gelten Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Evelyn Schmidt

Ticket für DER HUT gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Marcus Cislak

Ticket für SEYYIT HAN gilt. Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena)
 

Tango-Traum

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Kurz-Dokumentarfilm, 35mm. Vierte Generation.

Eine Frau sitzt an ihrer Schreibmaschine und denkt nach, sie raucht, erinnert sich, hört Musik, Tango natürlich, und weiß, "Buenos Aires und Montevideo sind weit weg". Doch dann nimmt sie uns mit auf ihre Reise ans andere Ende der Welt, in jene weit zurückliegende Zeit der Jahrhundertwende, als in den Hafenkneipen Argentiniens der Tango entstand. Was ist ein Tango? Helke Misselwitz befragt Bücher und alte Filme und sogar einen Argentinier. "Ein Tango passiert oder er passiert nicht, und auch wenn er nicht passiert, ist das ein Tango", lautet dessen rätselhafte Antwort. Der Zuschauer reist in die Welt und in die Zeiten. Und bleibt doch in dem kleinen Zimmer. Ein Blick auf das Leben hinter unübersteigbaren Mauern. Und zugleich ein Traum vom Versinken in Tanz und Musik, von Fremdheit und Vertrautem, vom Sich-fallen-lassen und Aufgefangen-werden - ein Tango-Traum eben. (Quelle: Deutsche Kinemathek)

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1985, 12 Minuten
Regie: Helke Misselwitz; FSK 12
Vorfilm zu HERZSPRUNG. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Herzsprung

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35mm. Vierte Generation.

Ein Regen aus Federn. Eine engelsgleiche Mädchenstimme singt in entrückter Ferne von verlorener Liebe und der süßen Heimat. Diese Heimat ist Herzsprung, ein kleiner Ort in Brandenburg. Von dem im Vorspann so volksliedhaft beschworenen Märchen ist hier nicht viel übrig: Viele Betriebe mussten nach der Wende schließen, Entlassungen und Arbeitslosigkeit sind die Folge. Als im Ort ein namenloser Schwarzer auftaucht und eine Romanze mit der jungen Johanna beginnt, bricht sich der angestaute Frust in einer Welle aus Fremdenfeindlichkeit und Hass Bahn.

Helke Misselwitz' Spielfilmdebüt lässt noch deutlich die Handschrift der Dokumentarfilmmeisterin erkennen. Stimmig in seiner Milieuzeichnung und prächtig fotografiert von Kameramann Thomas Plenert, bietet der Film eine unmittelbare, noch weitgehend unverstellte Perspektive auf die Nachwendezeit. So entsteht das packende, dokumentarisch präzise Porträt eines Landes im Umbruch, das zugleich die Ursachen von Rassismus und Rechtsextremismus erforscht.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

D, 1992, 87 Minuten
Regie: Helke Misselwitz; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Helke Misselwitz

Ticket für HERZSPRUNG gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Moritz in der Litfaßsäule

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35mm. Kinder- und Jugendfilm.

„Sei doch froh, dass du noch ein Kind bist. Kinder sehen die Welt noch mit drei Augen. Das dritte Auge, das gibt ihnen den bunten Blick“, sagt der Straßenfeger zum neunjährigen Moritz. Der ist von zu Hause abgehauen, weil er denkt, dass er niemandem etwas Gutes und Rechtes tun kann. Dabei ist er eigentlich nur etwas langsam, weil sein Kopf lieber in Träumen und Fantasien schwelgt. In einer Litfaßsäule findet Moritz nicht nur ein sicheres Versteck, sondern auch eine ganz besondere Freundin: eine sprechende Katze, mit der er durchaus lebensphilosophische Gespräche führt.

Neben Regisseur Losansky ist auch Autorin Christa Kozik, die ganz in der Nähe Jenas als Flüchtlingskind aufwuchs, die Fantasie der Kinder ein ganz besonderes Anliegen, die es zu fördern gilt. Mit der animierten Katze wird hier Fantasie und Filmkunst der DDR gleichermaßen lebendig. Die thüringische Stadt Pößneck bietet die malerische Kulisse zu diesem Film, auf deren historischem Marktplatz die namhafte Litfaßsäule errichtet wurde.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1983, 88 Minuten
Regie: Rolf Losansky; FSK 0
7€, 5€ U21, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Filmgespräch mit Christa Kozik und Klaus-Dieter Felsmann

Ticket für MORITZ IN DER LITFASSÄULE gilt. Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann

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35mm. Vierte Generation.

Im Januar 1989 drehte Helke Misselwitz diesen Dokumentarfilm über ein kleines Familienunternehmen, das in Berlin Prenzlauer Berg Kohle an private Haushalte ausliefert. Ein sozialer Mikrokosmos, der herzlich, aber streng von der resoluten Chefin geführt wird. Das Interesse der Dokumentaristin ist primär auf diese zentrale Figur gerichtet. Wir sehen ihre Funktion als Seelsorgerin für die teils betagte Kundschaft und steigen im Treppenhaus den Arbeitern mit den zentnerschweren Kohlepaketen hinterher. Das Szenarium wurde in Zusammenarbeit mit Thomas Plenert verfasst, der auch die Kamera führte und Misselwitz' bevorzugter Kameramann war.
Es ist ein sehr zärtliches Portrait und Dokument der Menschen und ihres Arbeitsumfeldes, das bald darauf verschwinden sollte. Die Einblicke sind teilweise sehr persönlich - manchmal schauen wir fast bis "ins Herz".

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1989, 52 Minuten
Regie: Helke Misselwitz; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Helke Misselwitz

Ticket für WER FÜRCHTET SICH VORM SCHWARZEN MANN gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Miraculi

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35mm. Vierte Generation.

„Die Fahrscheine, bitte!“ Nachdem Sebastian bei einem Diebstahl geschnappt wurde, möchte er für seine Tat büßen – und wird ehrenamtlicher Kontrolleur in der Leipziger Straßenbahn. Der junge Mann verrichtet seinen Dienst mit messianischer Inbrunst, wandelt als moderner Jesus getarnt durch die Wagen, doch uneinsichtige Schwarzfahrer, verständnislose Verwandte, ein süffisanter Dandy und eine „femme fatale“ ohne Fahrschein machen ihm einen Strich durch die Rechnung.

Mit seinen Filmen ist Regisseur Ulrich Weiß in der DDR immer wieder angeeckt. Dieses surreale Außenseiterportrait, noch kurz vor der Wende begonnen, war sein erster Film nach über einem halben Jahrzehnt De-Facto-Berufsverbot. Die Tristesse spätsozialistischen Verfalls nutzt Weiß visuell sehr geschickt, um einen traum- und tranceartigen Endzeitfilm zu schaffen – bzw. einen allegorischen Wendezeitfilm, in dem plötzlich Figuren und sogar ganze Seen einfach so verschwinden und nur Verwirrung und Schlamm übrig bleiben.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

D, 1991, 114 Minuten
Regie: Ulrich Weiß; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Ralf Schenk

Ticket für MIRACULI gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Blue Tornado - Männer wie Stahl

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35mm, Originalversion mit Untertiteln. Italienisches Genrekino.

Während eines Flugmanövers geraten die Piloten Alex und Phil in einen mysteriösen Lichtkegel, in dem Phil auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Den Ermittlern führt Alex die Möglichkeit eines Ufos an und trifft natürlich auf Unverständnis. Nicht so aber bei der süßen Isabella, die seiner Vision glaubt. Gemeinsam dringen sie immer weiter zu Wahrheit vor …

Antonio Bido drehte bisher nur sieben Filme, einer davon eine TV-Produktion. Nach seinen Debütfilmen, den heute verehrten Gialli, wurde es ruhiger um hin. 1991 sprang die italienische Produktion BLUE TORNADO mit fünfjähriger Verspätung auf den Top-Gun-Zug auf und presste gleich noch Science-Fiction-Elemente in die Story. Der Streifen entbehrt nicht einer gewissen Komik, worauf auch Bidos Pseudonyms Tony B. Dobb hier hindeutet. Mit der Besetzung um A-Team-Legende Dirk Benedict, Patsy LETHAL WEAPON 2 Kensit und Genreikone David Warner kann man aber eigentlich gar nichts verkehrt machen!

IT, 1991, 87 Minuten
Regie: Antonio Bido; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Umut – Hoffnung

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DCP, Originalversion mit englischen Untertiteln. Türkei Yilmaz Güney. Filmeinführung von Marcus Cislak und Tino Schmidt.
UMUT ist die Geschichte von Cabbar und seiner Familie, deren Existenz von seinem Einkommen als Pferdekutscher abhängt. Als eines seiner Pferde von einem Auto überfahren wird und es klar ist, dass weder Gerechtigkeit noch Nächstenliebe ihm in seiner Not helfen werden, beginnt der Mann, gespielt von Güney, langsam in den Wahnsinn abzugleiten. Auf Anraten eines lokalen Heiligen und angetrieben von einem unermüdlichen Optimismus begibt er sich auf die Suche nach einem mythischen verlorenen Schatz in die Wüste. Cabbar strebt immer weiter dem letzten, unvermeidlichen Moment entgegen: Dass die Hoffnung selbst nur eine Illusion ist.

Güney war 33 Jahre alt, als er diesen Film schuf. Es ist ein Streifen voller Übermut, Träume und Hoffnungslosigkeit. Es zeigt den verzweifelten Kampf des Einzelnen gegen ein mächtiges und ungerechtes System, in dem man nur verlieren kann. UMUT ist ein Meilenstein des türkischen Kinos und markiert einen Wendepunkt in Güneys Filmographie.

(Quellen: sinematurk.com, imdb)

TR, 1970, 100 Minuten
Regie: Yilmaz Güney;
7€, Dauerkarten gelten Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena)
 

Die Taube auf dem Dach

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DCP. Werkschau Iris Gusner.

Der Schlüsselfilm unserer diesjährigen Iris Gusner-Werkschau blickt auf eine filmreife Biographie zurück: 1973 verboten und größtenteils vernichtet, wurde das Werk 2009 wiederentdeckt und konnte ein Jahr später wiederaufgeführt werden. Die Geschichte einer unglücklichen Dreiecksbeziehung auf einer Großbaustelle bei Arnstadt ist scheinbar simpel, doch nur auf den ersten Blick. Gusner erzählt von Entfremdung, Sinnsuchen, zweifelnden und verzweifelnden Menschen, aber sie tut dies mit zartem Humor und der all ihren Filmen eigenen menschlichen Wärme. Ein künstlerisch ausgereiftes Erstlingswerk, das durch formale Strenge, vielschichtige Figuren und verblüffende Bildkompositionen besticht und zu den Höhepunkten der deutschen Filmgeschichte gezählt werden kann.

Hinweis: DIE TAUBE AUF DEM DACH wurde 2009 auf der Grundlage eines 1990 von Roland Gräf hergestellten Dup-Negativs rekonstruiert. Da keine vorführbaren 35mm-Kopien existieren, kann der Film ausschließlich digital projiziert werden.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1973, 82 Minuten
Regie: Iris Gusner; FSK 0
7€, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Filmgespräch mit Iris Gusner

Ticket für DIE TAUBE AUF DEM DACH gilt. Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Blutige Schatten - Solamente nero

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Digital HD. Italienisches Genrekino.

Der junge Professor Stefano braucht eine Auszeit vom akademischen Umfeld – mentale Probleme und albtraumhafte Visionen plagen ihn. Er begibt sich zu seinem älteren Bruder, Priester Don Paolo, nach Venedig. Dort trifft er auf eine süße Kunstliebhaberin, ein Medium, das zu Séancen lädt, einen zwielichtigen Doktor und einen pädophilen Klavierlehrer. Als eine Mordserie beginnt, sind natürlich alle verdächtig!

Antonio Bido drehte 1977 mit 28 seinen ersten Film, den Giallo DIE KATZE MIT DEN JADEAUGEN und direkt ein Jahr später BLUTIGE SCHATTEN. Bido hält sich sowohl in Bildern als auch in Dialogen angenehm zurück und macht so den Blick und die Gedanken für den Zuschauer frei. Bidos Venedig ist kein Postkarten-Venedig. Dieses Insel-Konstrukt hat uralte Geheimnisse, die ihre Bewohner Generation für Generation behüten und die dunklen Seiten der gar nicht mal so „Serenissima“ ausleben. Das mussten auch schon Goethe, Thomas Mann und der Todesgeiger Klaus Kinski erleben!

IT, 1978, 109 Minuten
Regie: Antonio Bido; FSK 16
7€, Dauerkarten gelten Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena)
 

Filmgespräch/Präsentation mit Antonio Bido und Claudio Bartolini

Ticket für BLUTIGE SCHATTEN gilt. Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena)
 

Alle meine Mädchen

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35mm. Werkschau Iris Gusner.

Regiestudent Ralf wird in ein NARVA-Glühlampenwerk geschickt, um einen Dokumentarfilm über die dortige Vorzeige-Arbeiterinnenbrigade zu drehen. Als die Brigade getrennt werden soll, die Meisterin krank wird und es sogar zu einem Diebstahl kommt, merkt Ralf bald, dass sich seine Rolle nicht auf die eines nüchternen Betrachters beschränken kann.

ALLE MEINE MÄDCHEN eröffnete 1980 das 1. Nationale Spielfilmfestival in Karl-Marx-Stadt und wurde ein großer Publikumserfolg. Dies ist nicht nur der rundum sympathischen Darsteller(innen)riege zu verdanken, sondern auch der Geschichte, die mit leisem Humor und voller Sinnlichkeit daherkommt. Eine intelligente Studie über das Verhältnis von Filmemachen und Wirklichkeit, zugleich auch ein unaufdringliches Plädoyer für den Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1979, 83 Minuten
Regie: Iris Gusner; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Iris Gusner und Ralf Schenk

Ticket für ALLE MEINE MÄDCHEN gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Letztes aus der Da Da eR

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35mm. Vierte Generation.

Die Clowns Weh und Meh sind aus dem Gefängnis entflohen und stolpern blindlings in eine Ordensverleihung, die ein blutiges Ende nimmt. Auf einem Müllwagen entsorgt, werden sie singend in die Welt getragen – ein wüstes Absurdistan, das seltsame Ähnlichkeiten mit einem gewissen sozialistischen Staat aufweist.

Die Idee für diesen Stoff reicht bis in die zweite Hälfte der 80er Jahre zurück, als Regisseur Jörg Foth das Bühnenprogramm des bekannten Duos Mensching und Wenzel verfilmen wollte. Das Projekt konnte dann noch kurz vor der Einheit realisiert werden, entstanden ist ein wichtiges Stimmungsbild der Wende. Foth und seine musizierenden Hauptdarsteller ziehen humoristisch alle Register, zündende Gags reihen sich an ohrwurmige Gassenhauer. Mensching und Wenzel spielen, als gäbe es kein Morgen, taumeln nummernrevueartig von einer bizarren Episode in die nächste. Scharfzüngig und treffend pointiert, ist die Clownerie ein bittersüßer Abgesang auf das untergehende Land "DaDaeR".

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1990, 86 Minuten
Regie: Jörg Foth; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Gritta von Rattenzuhausbeiuns

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35mm. Kinder- und Jugendfilm.

Der verarmte Hochgraf von Rattenzuhausbeiuns arbeitet an einer Thronrettungsmaschine. Er hofft, damit wieder zu Geld und Ehre zu gelangen. Seine Tochter Gritta führt ein wildes, übermütiges Leben, am liebsten mit dem Hirten Peter in der freien Natur. Doch die Stiefmutter Prinzessin Nesselkrauti schickt sie in ein Kloster. Dort kommt Gritta einem Komplott auf die Spur und freundet sich ausgerechnet mit Prinz Bonus an.

Ursprünglich stammt der Märchenstoff aus der Feder von Gisela und Bettina von Arnim aus dem Jahr 1840, wurde von der bekannten Autorin Christa Kozik neu bearbeitet und als Drehbuch adaptiert. Entstanden ist ein witziger, beinahe anarchischer Kostümfilm mit tollen Kulissen, bei dem auch sprechende Ratten eine wichtige Rolle spielen. Am sympathischsten erscheint jedoch die starke, kluge und widerspenstige weibliche Hauptfigur, die sich nicht nur über Adlige lustig macht, sondern sich besonders für die Armen und Unterdrückten einsetzt. Geheimtipp!

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1985, 83 Minuten
Regie: Jürgen Brauer; FSK 6
7€, 5€ U21, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Filmgespräch mit Jörg Foth

Ticket für LETZTES AUS DER DA DA ER gilt. TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Filmgespräch mit Ralf Schenk

Ticket für GRITTA BEI RATTENZUHAUSBEIUNS gilt. Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Pensione paura

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Digital SD. Italienisches Genrekino.

Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, eine Pension im Nirgendwo: Die Gäste sind wenige, dafür aber umso bizarrer, sie scheinen direkt einem Gemälde von Otto Dix entsprungen zu sein. Sie gieren nach der jungen Rosa, Tochter der Besitzerin der Pension. Rosas einzige Hoffnung am Ende des psychischen Delirium ist die hoffentlich baldige Rückkehr ihres Vater aus dem Krieg, der Tabula Rasa machen könnte …

Das Hotel wird zum Bordell der Hölle. Nacktheit, (sexuelle) Gewalt, Figuren am Rande des Nervenzusammenbruchs – und darüber hinaus. Man weiß nicht recht, ob man sich in einem Albtraum oder dem gnadenlosen Realismus befindet.

Regisseur Francesco Barilli entstammt einer vornehmen Künstlerdynastie aus Parma und lebt in der Malerei. Barillis kleine aber umso einzigartigere Filmographie zeichnet sich durch seine Visualität und die inhaltliche Verhaftung im Neorealismus und Surrealismus gleichermaßen aus. 

IT, 1972, 92 Minuten
Regie: Francesco Barilli; FSK ungeprüft
7€, Dauerkarten gelten Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena)
 

Kaskade rückwärts

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35mm. Werkschau Iris Gusner.

Wenn einer Reiterin der Sturz vom Pferd droht, kann sie sich nur durch einen Überschlag nach hinten retten – eine Kaskade rückwärts. Auch Maja, Ende dreißig, verwitwet, alleinerziehend, bleiben nicht mehr viele Optionen. Der Umzug in die Stadt und eine neue Stelle als Schaffnerin versprechen einen Neuanfang. Was fehlt, ist ein Mann. Doch mit Heiratsannoncen hat sie kein Glück, und die Liebe ihres Kollegen Gerd bemerkt sie nicht.

Hauptdarstellerin Marion Wiegmann ist eine wahre Entdeckung und liefert ein fulminantes Spielfilmdebüt ab – leider sollte dies ihre einzige Filmrolle bleiben. Und wenn zu einer Modenschau bittersüße Chansons geschmettert werden und Schaffner Gerd an der Bahnstation zum Tango lädt, entstehen Momente seltener Magie, wie es sie nur im Kino gibt. Eine Sternstunde des deutschen Films!

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1983, 94 Minuten
Regie: Iris Gusner; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Das Land hinter dem Regenbogen

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35mm. Vierte Generation.

Stalina, ein fiktives Dorf im Land hinter dem Regenbogen. Wir schreiben das Jahr 1953. Die landwirtschaftlichen Produktionsstätten haben sich längst zu Kollektiven zusammengeschlossen, Hysterie, Bespitzelung und Denunziation stehen auf der Tagesordnung. Die LPG wirkt wie ein gewaltiger Friedhof, zwischen zerfallenden Scheunen beten die Erwachsenen übergroße Stalin-Ikonen an. Nur die Kinder Marie und Hans, der Sohn des Regenbogenmachers, versuchen in diesem Klima aus Paranoia und Gewalt ihre Menschlichkeit zu bewahren.

Herwig Kippings erster nach der Wende produzierter Film, das dritte Werk der 1990 gegründeten Künstlergruppe DaDaeR, ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Stalin-Ära, sondern auch eine allegorische Zeitreise durch die dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte. 1992 mit dem Filmband in Silber ausgezeichnet, ist DAS LAND HINTER DEM REGENBOGEN ein surrealer Bilderreigen voller Poesie und pechschwarzem Humor, eine grimmige Parabel über die gescheiterte Utopie Sozialismus.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

D, 1991, 89 Minuten
Regie: Herwig Kipping; FSK 16
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Agit – Der Jammer

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Digital HD, Originalversion mit englischen Untertiteln. Türkei Yilmaz Güney. Filmeinführung von Marcus Cislak und Tino Schmidt.
Cobanoglu (Güney) ist der Chef einer Schmugglerbande. Zusammen mit seinen Getreuen versteckt er sich in den Bergen und trotzt Tod und Armut. Mit einer Finte locken deren Gegner, Ramazan Efendi und Sari Veli, Cobanoglu in ein nahes Dorf. Doch die Schmuggler durchschauen das falsche Spiel und versuchen sich mit allen Mitteln zu wehren. Ein verzweifelter Kampf Mann gegen Mann entbrennt.

Langsame Sequenzen von sich wiederholenden Ereignissen machen den Film kraftvoll. Um diesen Film richtig zu verstehen, sollte man einige Fakten über die Türkei in den 70er Jahren kennen:  Mangel an Ressourcen wie sauberes Wasser, Ärzte, Medikamente und Bildung sowie immer noch bestehende Probleme bei der Anerkennung der kurdischen Minderheiten und die in den Bergen lebenden, kämpfenden Guerillas, die nur illegal Geld durch Schmuggel verdienen können. Yilmaz Güney schuf einen eindringlichen Film, der als Kultklassiker gilt und auch nicht mit - für seine Zeit gewagten -  Gewaltdarstellungen geizt.

(Quellen: sinematurk.com, imdb)

TR, 1972, 82 Minuten
Regie: Yilmaz Güney;
7€, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Das Parfüm der Dame in schwarz - Il Profumo della Signora in nero

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Originalversion mit Untertiteln. Italienisches Genrekino.
Danach Ausklang des Abends mit Vintage-Sounds.
Rom: Silvia Hachermann bewohnt ein luxuriöses Appartement, hat freundliche Nachbarn, das Wetter lacht und alles scheint perfekt. Scheint. An einem Abend trifft sie sich mit einer Gruppe von Freunden, doch zwischen ihnen will nicht so richtig eine herzliche Atmosphäre aufkommen. Dabei ist auch ihr dunkelhäutiger Tennispartner, der ihr Angst einzujagen versucht, indem er ihr von obszönen Woodoo-Praktiken berichtet. In der Folge hat Silvia seltsame Albträume. Als dann auch noch ihre engste und eigentlich auch einzige Freundin verschwindet, wird der Strudel aus Wahnsinn und Gewalt immer größer.

Jede Einstellung gleicht in Auswahl und Farbgebung einem Gemälde, das sich ins Innerste des Zuschauers einprägt. Barilli entfacht ein Spiel zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit, in dem der Schrecken jederzeit präsent, aber nur selten sichtbar ist – bis zum unvergesslichen Finale. Ein Duft, der lange wirkt!

IT, 1974, 103 Minuten
Regie: Francesco Barilli; FSK ungeprüft
7€, Dauerkarten gelten TRAFO Jena (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)
 

Kinofrühstück

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Im Café Schillerhof. Nur wenige Plätze! Der besondere Brunch orientiert sich inhaltlich an Bulgarien und dem Schwarzen Meer, ist also ausgerichtet auf den nachfolgenden Film EINER MUSS DIE LEICHE SEIN. "Geschmackskino Spezial".

22€ Café Schillerhof (Helmboldstraße 1, 07749 Jena)
 

Einer muß die Leiche sein

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35mm. Werkschau Iris Gusner.

Schwarzmeerküste, Bulgarien: Es ist Sommer und die Urlaubsluft ist zu spüren. Leichte Gespräche und Lächeln machen den Anfang dieses Filmes trügerisch. Eine Gruppe von Touristen unternimmt eine Schiffsreise auf eine Insel und verbringt dort den Tag zusammen. Am Abend müssen alle auf die Rückkehr aufs Festland verzichten, weil das Schiff einen Motorschaden hat. Damit die Nacht schneller vergeht, spielt die Gruppe ein "Mörder-Spiel". Die Rollen sind klar verteilt, das Licht wird ausgemacht: ein furchtbarer Schrei ist zu hören. Der „Detektiv“ kann jetzt seine Aufgabe erledigen. Was aber am Anfang nur Zeitvertreib sein sollte, wird für unsere Figuren bald mehr als ein lustiges Gesellschaftsspiel. Wegen einer mysteriösen Begebenheit übernehmen schließlich fast alle einmal die Rolle des Detektivs.
Ein kurzweiliger DDR-Krimi mit allen klassischen Merkmalen, den Sie nicht verpassen sollten. Lassen Sie sich überraschen von eigentümlichen Figuren und einer geheimnisvollen Atmosphäre.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1977, 83 Minuten
Regie: Iris Gusner; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Ich liebe dich – April! April!

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35mm. Werkschau Iris Gusner.

Jura-Professor Schneider, Scheidungsspezialist und erklärter Ehegegner, sieht sich in einer Prüfung der Studentin Caroline gegenüber. Die ist mit seinem Assistenten Tom verheiratet – und ausgerechnet die Tochter jener Frau, von der sich Schneider vor Jahren scheiden ließ. Gemeinsam schmieden Caroline und Tom einen Plan, um die Eltern wieder zusammenzubringen.

ICH LIEBE DICH - APRIL! APRIL! war der letzte Film, den Iris Gusner für die DEFA drehte, bevor sie 1989 die DDR verließ. Das 'Spätwerk' greift zentrale Themen ihres Schaffens auf und erweitert diese um das Motiv des abwesenden Vaters. So entsteht eine heitere Beziehungskomödie, die mitunter auch ernstere Töne anschlägt. Das hier gezeigte Berlin erinnert eher an das Paris der Nouvelle Vague als an die ehemalige DDR-Hauptstadt, Jan Nowickis gewohnt charismatische Darstellung verleiht dem Film unwiderstehlichen Charme.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1987, 83 Minuten
Regie: Iris Gusner; FSK 12
7€, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Moritz in der Litfaßsäule

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35mm. Kinder- und Jugendfilm.

„Sei doch froh, dass du noch ein Kind bist. Kinder sehen die Welt noch mit drei Augen. Das dritte Auge, das gibt ihnen den bunten Blick“, sagt der Straßenfeger zum neunjährigen Moritz. Der ist von zu Hause abgehauen, weil er denkt, dass er niemandem etwas Gutes und Rechtes tun kann. Dabei ist er eigentlich nur etwas langsam, weil sein Kopf lieber in Träumen und Fantasien schwelgt. In einer Litfaßsäule findet Moritz nicht nur ein sicheres Versteck, sondern auch eine ganz besondere Freundin: eine sprechende Katze, mit der er durchaus lebensphilosophische Gespräche führt.

Neben Regisseur Losansky ist auch Autorin Christa Kozik, die ganz in der Nähe Jenas als Flüchtlingskind aufwuchs, die Fantasie der Kinder ein ganz besonderes Anliegen, die es zu fördern gilt. Mit der animierten Katze wird hier Fantasie und Filmkunst der DDR gleichermaßen lebendig. Die thüringische Stadt Pößneck bietet die malerische Kulisse zu diesem Film, auf deren historischem Marktplatz die namhafte Litfaßsäule errichtet wurde.

Bildrechte: DEFA-Stiftung.

DDR, 1983, 88 Minuten
Regie: Rolf Losansky; FSK 0
7€, 5€ U21, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)
 

Sürü - Die Herde

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DCP, Originalversion mit englischen Untertiteln. Türkei Yilmaz Güney. Filmgespräch mit Cem Kaya.
Der Film erzählt die Geschichte einer Familie, die inmitten einer Blutfehde zwischen zwei Stämmen lebt. Ebenjene Familie beschließt eines Tages, ihre wertvollen Schafe im fernen Ankara zu verkaufen. Doch auf der langen Zugfahrt nach Westen begegnen ihnen zahlreiche Probleme, die die immensen Mißstände in der Türkei offenbaren. So müssen sie zum Beispiel Bestechungsgelder an kleine Beamte zahlen, Schafe werden gestohlen oder sterben.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die im Kontext von feudaler Unterdrückung und sozialer Ungerechtigkeit erzählt wird. Der Film wurde im Pervari District und in den Dörfern um Siirt gedreht. Soziale Spannungen zwischen Stadt und Land werden stark thematisiert und die Geschichte dient als Mittel, um die Korruption und soziale Ungerechtigkeit in der türkischen Gesellschaft zu zeigen. SÜRÜ wurde in einer Zeit kurz vor dem Militärputsch von 1980 unter sehr schwierigen Bedingungen produziert, wie dem Gefängnisaufenthalt Yilmaz Güneys während der Dreharbeiten. SÜRÜ ist trotz der Widrigkeiten ein wichtiger Film im späteren Werk Güneys. 

(Quellen. sinematurk.com, imdb)

TR, 1978, 129 Minuten
Regie: Zeki Ökten;
7€, Dauerkarten gelten Kino im Schillerhof (Helmboldstrasse 1, 07749 Jena)

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